Die weltweit am längsten belichtete Fotografie

Die am längsten belichtete Fotografie der Welt, Przemek Zajfert, Belichtungszeit: 8 Jahre

Die am längsten belichtete Fotografie der Welt

Archiv des Zufalls, 2015

Diese Fotografie entstand mit einer einfachen Lochkamera an der Münchner Freiheit in München Schwabing. Die Kamera wurde im Dezember 2006 von Przemek Zajfert an einem Baum befestigt. Geplant war ursprünglich eine Belichtungszeit von einem Jahr. Im Dezember des folgenden Jahres sollte die Kamera wieder abgenommen werden.

Doch genau das passierte nicht.

Die Kamera wurde vergessen und blieb an Ort und Stelle. Jahr für Jahr hing sie weiter draußen, mitten in der Stadt, am selben Baum an der Münchner Freiheit. Erst im Dezember 2014 fiel sie Przemek Zajfert wieder auf. Er wollte an genau dieser Stelle eine neue Kamera befestigen und entdeckte dabei, dass die alte Kamera noch immer dort hing.

Acht Jahre Belichtungszeit an der Münchner Freiheit

Damit wurde aus der vergessenen Lochkamera eine der am längsten belichteten Fotografien der Welt. Acht Jahre lang sammelte das Fotopapier Licht, Wetter, Bewegung und Spuren der Umgebung. Die Kamera war zu diesem Zeitpunkt stark beschädigt und sichtbar von der Zeit gezeichnet.

Wind, Regen, Sonne, Tiere und die Umgebung hatten ihre Spuren hinterlassen. Das kleine Loch der Lochkamera wurde vermutlich von einem Vogel vergrößert. Solche Eingriffe durch Tiere sind uns bereits bei mehreren Kameras aufgefallen, besonders wenn sie über lange Zeit draußen in der Natur oder im öffentlichen Raum hängen.

Wie ein Vogel und eine Spinne das Bild veränderten

Durch das größere Loch konnte anschließend eine Spinne in die Kamera gelangen. Sie baute ihr Netz direkt auf und hinter dem Fotopapier. Diese Spuren sind auch im fertigen Bild sichtbar.

Das Bild zeigt dadurch nicht nur Licht, Zeit und den Ort, sondern auch das Leben, das während der langen Belichtungszeit in der Kamera stattgefunden hat. Die Spinne wurde nicht geplant, aber sie wurde Teil des Ergebnisses.

Wenn Zufall Teil der Fotografie wird

Genau das macht diese Aufnahme so besonders. Sie ist nicht nur eine extrem lange Belichtung, sondern auch ein Bild des Zufalls. Eigentlich hätte die Kamera nur ein Jahr hängen sollen. Eigentlich hätte sie planmäßig abgenommen werden sollen. Und eigentlich hätte kein Vogel das Loch verändern und keine Spinne in die Kamera einziehen sollen.

Aber genau diese ungeplanten Dinge gehören zu The 7th Day. Die Kameras des Projekts hängen oft über Wochen, Monate oder sogar Jahre draußen. In dieser Zeit sind sie nicht geschützt wie in einem Studio. Sie sind der Umgebung ausgesetzt.

Regen, Sonne, Wind, Insekten, Vögel, Spinnen oder Eichhörnchen können die Kamera und das Bild beeinflussen. Manchmal beschädigen sie die Kamera. Manchmal zerstören sie ein Bild. Und manchmal entsteht gerade dadurch etwas, das nicht planbar gewesen wäre.

The 7th Day und das Archiv des Zufalls

Bei dieser Fotografie erzählt die Geschichte hinter dem Bild genauso viel wie das Bild selbst. Die acht Jahre Belichtungszeit, der vergessene Ort, der Vogel, das vergrößerte Loch und das Spinnennetz im Inneren der Kamera wurden Teil des Ergebnisses.

So wurde aus einer vergessenen Lochkamera eine der am längsten belichteten Fotografien der Welt. Gleichzeitig zeigt die Aufnahme sehr deutlich, worum es bei The 7th Day geht: um Licht, Zeit, Ort und Zufall.

Jedes Bild entsteht durch eine Entscheidung, aber auch durch das, was danach passiert. In diesem Fall wurde die Natur selbst zu einem Teil des fotografischen Prozesses.

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