The 7th Day bei TEDx

Przemek Zajfert präsentierte das Projekt „The 7th Day“ 2014 bei TEDx in Stuttgart.

Der 7. Tag: Silber, Lavendel, Asphalt, Sonne und Zeit.

Warum Verzicht kreativ und frei macht

Was passiert, wenn man statt 1.000 Schnappschüssen nur ein Bild macht und dieses über Tage, Wochen oder gar Monate belichtet? Der Künstler und Fotograf Przemek Zajfert zeigt in seinem TEDx Talk, wie radikale Reduktion, eine Lochkamera, Licht und viel Geduld, zu überraschender Freiheit führt. Sein Projekt The 7th Day ist eine poetische Einladung, Zeit als Gestaltungsmittel neu zu entdecken.

Worum es im Talk geht

Im Vortrag erzählt Przemek Zajfert von einem einfachen, fast magischen Werkzeug, der Camera Obscura. Eine lichtdichte Dose, ein winziges Loch, ein lichtempfindliches Papier, mehr braucht es nicht. Keine Linse, kein Display, kein Autofokus. Statt in Millisekunden zu auszulösen, lässt man die Welt lange auf sich wirken, Stunden, Tage, manchmal Monate. Das Ergebnis ist nicht die scharfe Momentaufnahme, die wir vom Smartphone kennen, sondern eine Verdichtung von Zeit. Auf den Bildern zeichnen sich etwa die Sonnenbahnen als Bögen ab, Wetterwechsel weben Texturen in den Himmel, und selbst kleine Zufälle, Spinnenfäden, Pollen, Regentropfen, werden zu Mitgestalter:innen.

Diese Haltung, weniger Technik, mehr Aufmerksamkeit, ist der Kern des Projekts The 7th Day. Menschen weltweit befestigen ihre selbst gebauten Lochkameras an Fenstern, Zäunen oder Laternen, warten geduldig und teilen dann ein einzelnes Bild, das die Zeit wie eine Landschaft zeigt. Aus vielen Einzelbeiträgen entsteht ein kollektives Gedächtnisvon Orten, Jahreszeiten und Licht.

Die fünf Wörter im Titel und was sie erzählen

Silber: In der analogen Fotografie reagieren Silberhalogenide auf Licht. Auch bei der Lochkamera steckt diese stille Chemie im Papier. Sie macht unsichtbare Dauer sichtbar.

Lavendel und Asphalt: Eine kleine Verbeugung vor der Frühzeit der Fotografie. Joseph Nicéphore Niépce experimentierte mit Bitumen, das im Sonnenlicht aushärtet, gelöst in Lavendelöl. Aus dieser Mischung entstand die Heliografie, eine der ältesten fotografischen Techniken. Ein früher Beweis dafür, dass Geduld und Sonne genügen.

Sonne und Zeit: Beides ist im Projekt das eigentliche Objektiv. Die Sonne zeichnet Tag für Tag ihre Spur. Die Zeit lässt Strukturen wachsen, die wir im Alltag übersehen.

So funktioniert The 7th Day in drei einfachen Schritten

  1. Lochkamera fixieren: Eine kleine Box ohne Linse, mit Stecknadel Loch, stabil an einem Ort befestigen. Innen liegt lichtempfindliches Fotopapier.
  2. Lang belichten: Draußen reichen oft einige Tage im Sommer schneller, im Winter länger, in Innenräumen eher Wochen. Überbelichtung ist erstaunlich selten, die Zeit verteilt das Licht wie ein feiner Pinsel.
  3. Bild sichtbar machen: Das Papier wird entnommen und digitalisiert. Was erscheint, ist ein Zeitportrait, nicht ein Moment, sondern das Geschehen zwischen den Momenten.

Warum dieser Ansatz heute relevant ist

Entschleunigung statt Knipsen: In einer Welt voller Serienbilder erinnert uns die Lochkamera daran, dass Warten eine kreative Methode sein kann. Wer die Kamera montiert, denkt plötzlich über Himmelsrichtung, Jahreszeit und Rhythmus nach.

Demokratisch und niedrigschwellig: Man braucht kein teures Equipment. Das Projekt zeigt, dass Neugier und Geduld reichen, um Kunst zu machen. Ideal für Schulen, Workshops, Vereine oder neugierige Einzelgänger:innen.

Neuer Blick auf den Ort: Langzeitbelichtungen offenbaren Eigenschaften, die dem schnellen Auge entgehen. Wie zieht das Wetter, wo wandert das Licht, welche Spuren hinterlässt der Alltag.

Ein paar Gedanken zur Bildästhetik

Bilder aus Lochkameras haben ihren eigenen Charakter. Sanfte Unschärfe, weite Perspektive, feine Streifen der Sonne. Linien wirken organisch, Horizonte leicht gebogen. Weil nichts nachschärft oder entzerrt, entsteht eine ehrliche Poesie, die man von klinisch sauberen Digitalbildern selten kennt. Gleichzeitig sind die Bilder unwiederholbar. Ein Windstoß, ein Wolkenschleier, ein Schatten, all das prägt das Ergebnis. Zufall ist hier kein Fehler, sondern Mitautor.

Lust, selbst loszulegen?

Du brauchst lediglich eine lichtdichte Dose, einen Nadelstich und Fotopapier. Suche einen Platz mit freiem Blick gen Himmel, befestige die Kamera wetterfest, markiere das Startdatum und lass die Zeit arbeiten. Das erste Ergebnis ist selten perfekt, aber fast immer überraschend. Mit jedem Versuch wächst dein Gefühl für Standort, Winkel und Dauer.