Die Geschichte der modernen Solargraphie beginnt um die Jahrtausendwende. Experimente mit Lochkameras, Fotopapier und monatelangen Belichtungszeiten führten zu einer neuen Form der Fotografie, bei der die Bewegung der Sonne selbst zu einem zentralen Bestandteil des Bildes wurde. Zwei Entwicklungen sind dabei besonders wichtig. Zum einen entstand im Jahr 2000 das Projekt Solaris. Zum anderen begann die finnische Künstlerin Tarja Trygg ab 2002 damit, die Methode international weiterzuentwickeln und Kameras an Teilnehmer auf der ganzen Welt zu schicken. Aus einem fotografischen Experiment entwickelte sich dadurch eine internationale Bewegung zwischen Kunst, Fotografie und astronomischer Beobachtung.
Was ist Solargraphie
Solargraphie ist eine Form der extremen Langzeitbelichtung. Eine einfache Lochkamera mit Fotopapier bleibt über Tage, Monate oder sogar Jahre an derselben Position. Während dieser Zeit zeichnet die Kamera die tägliche Bewegung der Sonne auf. Da sich die Position der Sonnenbahn im Verlauf des Jahres verändert, entstehen auf dem Fotopapier zahlreiche geschwungene Linien. Wenn du zunächst verstehen möchtest, wie die Technik funktioniert, findest du in unserem großen Beitrag eine ausführliche Erklärung zur Solargraphie.
Fotografie vor der modernen Solargraphie
Die Idee, die Bewegung der Sonne über längere Zeiträume fotografisch festzuhalten, entstand nicht erst im Jahr 2000. Bereits zuvor gab es Experimente mit Lochkameras und langen Belichtungszeiten. Fotografen und Künstler beschäftigten sich immer wieder mit der Frage, wie sich Licht und Zeit unmittelbar auf fotografischem Material sichtbar machen lassen. Um die Jahrtausendwende entstand jedoch eine besonders einfache Form dieser Idee. Fotopapier wurde in kleine Lochkameras eingelegt und über Monate belichtet. Nach der Belichtung konnte das Papier gescannt und digital weiterverarbeitet werden. Damit verband sich ein analoger fotografischer Prozess mit den neuen Möglichkeiten digitaler Bildverarbeitung und des Internets.
Der Beginn des Projekts Solaris
Das Projekt Solaris gehört zu den wichtigsten Ausgangspunkten der modernen Solargraphie. Es wurde im Jahr 2000 von Sławomir Decyk, Paweł Kula und Diego López Calvín initiiert. Im Rahmen des Projekts entstanden Aufnahmen mit Kameras ohne Objektiv und außergewöhnlich langen Belichtungszeiten. Lichtempfindliches Material blieb dabei über mehrere Monate oder sogar Jahre in der Kamera. Die Bewegung der Sonne wurde dadurch unmittelbar auf dem fotografischen Material sichtbar. Nach der Belichtung ließ sich das entstandene Bild mit einem Scanner digitalisieren und anschließend bearbeiten. Diese Verbindung aus analoger Aufnahme und digitaler Verarbeitung wurde zu einem wichtigen Merkmal der Solargraphie.
Warum Solaris für die Solargraphie wichtig war
Solaris zeigte, dass Fotografie mit völlig anderen Zeiträumen arbeiten kann als eine klassische Kamera. Ein Foto musste nicht innerhalb eines Sekundenbruchteils entstehen. Eine einzige Aufnahme konnte einen ganzen Sommer, einen Winter oder sogar mehrere Jahre enthalten. Das Licht war dabei nicht nur das Mittel zur Erzeugung eines Bildes. Seine Bewegung und seine Dauer wurden selbst zum Motiv. Gleichzeitig verbreitete sich die Methode zunehmend unter Künstlern und Fotografen. Das Internet machte es möglich, Ergebnisse aus unterschiedlichen Ländern miteinander zu teilen.
Tarja Trygg entdeckt die Solargraphie
Die finnische Künstlerin Tarja Trygg kam im Jahr 2002 mit der Methode in Kontakt. Während eines internationalen Fotografie Workshops in Polen lernte sie Solargraphien kennen. Trygg faszinierte besonders die Möglichkeit, Bewegungen sichtbar zu machen, die sich mit dem menschlichen Auge nicht auf dieselbe Weise beobachten lassen. Die Bahn der Sonne verändert sich abhängig von Jahreszeit und geografischer Breite. Eine Solargraphie konnte diese Veränderungen in einem einzigen Bild zusammenführen.
Die bekannte Solargraphie aus Helsinki
Eine der bekanntesten Aufnahmen von Tarja Trygg entstand 2002 in Helsinki. Eine selbst gebaute Lochkamera befand sich ungefähr 180 Tage auf einem Balkon. Während dieser Zeit zeichnete sie die wechselnden Bahnen der Sonne auf. Das Ergebnis zeigt ein großes Feld aus geschwungenen Sonnenlinien. Die Aufnahme wurde im Internet verbreitet und trug wesentlich dazu bei, die Methode einem größeren Publikum bekannt zu machen. Das Bild wurde auch in der Online Galerie des Projekts Solaris gezeigt.
Von einer einzelnen Kamera zu einem weltweiten Projekt
Tarja Trygg beschäftigte eine einfache Frage. Wie sehen die Sonnenbahnen aus, wenn dieselbe fotografische Methode an unterschiedlichen Orten der Welt verwendet wird Die Form und der Winkel der Sonnenbahnen hängen stark von der geografischen Breite ab. Eine Solargraphie in Finnland sieht deshalb anders aus als eine Aufnahme in Südeuropa oder in der Nähe des Äquators. Trygg begann kleine selbst gebaute Lochkameras an Menschen in unterschiedlichen Ländern zu verschicken. Die Teilnehmer installierten die Kameras an ihrem jeweiligen Wohnort und zeichneten dort die Bewegung der Sonne auf. So entstand nach und nach ein internationales Netzwerk aus Solargraphien.
Tarja Trygg und solargraphy.com
Die Internetseite solargraphy.com wurde eng mit dem internationalen Projekt von Tarja Trygg verbunden. Dort wurden Solargraphien aus unterschiedlichen Regionen und geografischen Breiten zusammengetragen. Die Sammlung machte sichtbar, wie unterschiedlich die Sonnenbahnen auf der Erde erscheinen. Gleichzeitig zeigte sie, dass dieselbe einfache Kamera an verschiedenen Orten völlig unterschiedliche Bilder erzeugen kann. Das Projekt trug auch dazu bei, den englischen Begriff Solargraphy international zu verbreiten. Trygg selbst verwendet im Englischen bevorzugt Solargraphy und in ihrer finnischen Muttersprache den Begriff Solarigrafia.
Solaris und Tarja Trygg sind nicht dasselbe Projekt
Für die Geschichte der Solargraphie ist diese Unterscheidung wichtig. Das Projekt Solaris wurde bereits im Jahr 2000 von Sławomir Decyk, Paweł Kula und Diego López Calvín initiiert. Tarja Trygg lernte die Methode später kennen. Ihr eigener internationaler Ansatz entwickelte sich ab 2002. Beide Geschichten sind miteinander verbunden, sollten aber nicht als ein einziges Projekt dargestellt werden. Trygg leistete vor allem einen wichtigen Beitrag zur internationalen Verbreitung der Solargraphie. Durch ihr Netzwerk konnten Aufnahmen aus unterschiedlichen geografischen Regionen miteinander verglichen werden.
Solargraphie zwischen Kunst und Wissenschaft
Solargraphie bewegt sich zwischen unterschiedlichen Bereichen. Sie ist Fotografie, weil Licht ein Bild auf lichtempfindlichem Material erzeugt. Sie berührt astronomische Themen, weil die scheinbare Bewegung der Sonne unmittelbar sichtbar wird. Gleichzeitig kann sie als künstlerisches Experiment mit Zeit, Landschaft und Zufall verstanden werden. Auch wissenschaftliche Einrichtungen und astronomische Projekte haben Solargraphie verwendet, um die Bewegung der Sonne anschaulich darzustellen. Gerade diese Verbindung macht die Technik besonders interessant.
Warum das Internet für Solargraphie wichtig wurde
Die moderne Solargraphie entwickelte sich zu einer Zeit, in der digitale Kommunikation immer wichtiger wurde. Die Aufnahme selbst blieb vollständig analog. Während die Kamera draußen belichtete, war keinerlei digitale Technik notwendig. Nach dem Ende der Belichtung konnte das Papier jedoch eingescannt werden. Das digitale Bild ließ sich anschließend innerhalb weniger Sekunden weltweit verbreiten. Dadurch entstand ein interessanter Gegensatz. Die Herstellung eines einzigen Bildes konnte mehrere Monate dauern, während seine Verbreitung nahezu unmittelbar möglich war.
Solargraphie heute
Das Grundprinzip hat sich bis heute kaum verändert. Ein lichtdichter Behälter, eine kleine Öffnung, Fotopapier und genügend Zeit reichen weiterhin aus. Rund um dieses einfache Prinzip haben sich jedoch unterschiedliche Ansätze entwickelt. Manche Fotografen bauen ihre Kameras vollständig selbst. Andere Projekte bieten vorbereitete Lochkameras an. Einige Ansätze konzentrieren sich auf Bildung und Experimente. Andere verstehen Solargraphie vor allem als Kunstform. Daneben gibt es mittlerweile auch kommerzielle Kameras wie Solarcan.
The 7th Day und die Fortsetzung partizipativer Fotografie
The 7th Day greift die Idee auf, dass eine sehr einfache Kamera Menschen, Orte und lange Zeiträume miteinander verbinden kann. Teilnehmer erhalten eine vorbereitete Lochkamera mit Fotopapier. Sie entscheiden selbst, wo die Kamera installiert wird und wie lange sie belichtet. Nach dem Ende der Aufnahme wird das entstandene Negativ an das Projekt zurückgeschickt. Jedes eingesandte Bild wird einzeln gescannt und bearbeitet. Die Aufnahme kann anschließend Teil des wachsenden internationalen Archivs werden. Mehr als 13.000 Menschen haben bereits an The 7th Day teilgenommen. Die Kamera ist damit nicht nur ein fotografisches Werkzeug. Sie ist der Ausgangspunkt für die Teilnahme an einem größeren gemeinsamen Kunstprojekt. Mehr über die Kamera erfährst du auf unserer Seite zur Camera Obscura von The 7th Day.
Von Solaris zur heutigen Solargraphie
Die Entwicklung der Solargraphie zeigt, wie aus einem sehr einfachen fotografischen Prinzip eine internationale Form künstlerischer Zusammenarbeit entstehen konnte. Das Projekt Solaris legte um das Jahr 2000 eine wichtige Grundlage. Tarja Trygg entwickelte ab 2002 ein internationales Netzwerk und trug wesentlich zur weltweiten Verbreitung der Methode bei. Später entstanden weitere künstlerische Projekte, Bildungsangebote und kommerzielle Solargraphie Kameras. Die grundlegende Faszination ist jedoch dieselbe geblieben. Eine kleine Kamera wird irgendwo auf der Welt befestigt und anschließend für lange Zeit sich selbst überlassen. Erst Wochen oder Monate später zeigt sie eine Form von Zeit, die mit dem menschlichen Auge niemals auf dieselbe Weise wahrgenommen werden könnte.
Häufige Fragen zur Geschichte der Solargraphie
Wer hat die Solargraphie erfunden
Die moderne Solargraphie entwickelte sich aus verschiedenen fotografischen Experimenten. Eine besonders wichtige Rolle spielte das Projekt Solaris, das im Jahr 2000 von Sławomir Decyk, Paweł Kula und Diego López Calvín initiiert wurde.
Hat Tarja Trygg die Solargraphie erfunden
Nein. Tarja Trygg lernte die Methode 2002 in Polen kennen. Sie wurde anschließend jedoch zu einer der wichtigsten Personen bei der internationalen Verbreitung der Solargraphie.
Was war das Projekt Solaris
Solaris war ein fotografisches Kunstprojekt, das ab dem Jahr 2000 mit extrem langen Belichtungen, Kameras ohne Objektive und den Bewegungen der Sonne experimentierte.
Wann begann Tarja Trygg mit Solargraphie
Tarja Trygg kam 2002 während eines internationalen Fotografie Workshops in Polen mit der Methode in Kontakt. Ihre bekannte ungefähr sechs Monate belichtete Aufnahme aus Helsinki entstand ebenfalls 2002.
Was ist solargraphy.com
Solargraphy.com wurde zum digitalen Ort für das internationale Solargraphie Projekt von Tarja Trygg und zeigte Aufnahmen aus unterschiedlichen Regionen der Erde.

