Was ist eine Camera Obscura? Vereinfacht gesagt ist sie ein dunkler Raum oder ein lichtdichter Kasten mit einer kleinen Öffnung. Durch dieses winzige Loch fällt Licht von außen in das Innere. Auf der gegenüberliegenden Fläche entsteht dadurch ein Bild der Außenwelt – ganz ohne Objektiv, Elektronik oder digitalen Sensor.
Das Besondere daran: Das projizierte Bild steht auf dem Kopf und ist seitenverkehrt.
Dieses einfache optische Prinzip ist seit Jahrhunderten bekannt und bildet eine der wichtigsten Grundlagen der Fotografie. Aus der Camera Obscura entwickelten sich später fotografische Lochkameras und schließlich die Kameras, wie wir sie heute kennen.
Bei The 7th Day arbeiten wir bis heute praktisch mit diesem Prinzip. Unsere Lochkameras verwenden keine Glaslinse und keine Elektronik. Nur ein winziges Loch, lichtempfindliches Fotopapier und sehr viel Zeit.
Was bedeutet Camera Obscura?
Der Begriff Camera Obscura stammt aus dem Lateinischen. „Camera“ bedeutet Kammer oder Raum und „obscura“ bedeutet dunkel. Übersetzt heißt Camera Obscura also schlicht dunkle Kammer.
Die ursprüngliche Camera Obscura konnte tatsächlich ein ganzer Raum sein. Dieser wurde vollständig abgedunkelt und lediglich mit einer kleinen Öffnung versehen. Fiel Tageslicht durch dieses Loch, erschien die Außenwelt als Projektion auf der gegenüberliegenden Wand.
Später wurden diese Räume immer kleiner. Aus begehbaren Kammern entstanden transportable Kästen und optische Geräte. Das grundlegende Prinzip blieb jedoch dasselbe.
Wie funktioniert eine Camera Obscura?
Die Funktionsweise einer Camera Obscura lässt sich durch die geradlinige Ausbreitung von Licht erklären.
Von beleuchteten Gegenständen wird Licht in viele Richtungen reflektiert. Durch die kleine Öffnung einer Camera Obscura kann jedoch immer nur ein begrenzter Teil dieser Lichtstrahlen in den dunklen Innenraum gelangen.
Die Lichtstrahlen kreuzen sich im Bereich der Öffnung. Licht vom oberen Bereich eines Hauses gelangt beispielsweise auf den unteren Bereich der gegenüberliegenden Fläche. Licht vom unteren Teil des Hauses trifft weiter oben auf. Dasselbe geschieht von links nach rechts.
Dadurch entsteht ein reales Bild der Außenwelt, das auf dem Kopf steht und seitenverkehrt erscheint.
Dafür braucht die Camera Obscura weder einen Computer noch einen Sensor oder ein Objektiv. Ein abgedunkelter Raum und eine kleine Öffnung reichen grundsätzlich aus.
Warum steht das Bild einer Camera Obscura auf dem Kopf?
Die Umkehrung des Bildes entsteht durch den Weg der Lichtstrahlen.
Stell dir einen Baum vor einer Camera Obscura vor. Licht von der Baumkrone fällt durch die kleine Öffnung und trifft anschließend auf den unteren Bereich der gegenüberliegenden Fläche. Das Licht vom unteren Teil des Baumes gelangt dagegen nach oben.
Die Lichtstrahlen kreuzen sich an der Öffnung. Dadurch wird oben zu unten und links zu rechts.
Gerade deshalb eignet sich die Camera Obscura besonders gut, um zu verstehen, wie Bilder überhaupt entstehen. Der gesamte Vorgang lässt sich unmittelbar beobachten.
Warum muss das Loch so klein sein?
Die Größe der Öffnung beeinflusst das projizierte Bild.

Ist das Loch sehr groß, gelangt mehr Licht in die Camera Obscura. Das Bild wird heller, gleichzeitig aber auch unschärfer. Viele Lichtstrahlen treffen gleichzeitig auf ähnliche Stellen der Projektionsfläche und überlagern sich.
Bei einer kleineren Öffnung gelangt weniger Licht hinein. Das Bild wird dunkler, die Konturen können jedoch deutlich klarer erscheinen.
Ein möglichst kleines Loch ist allerdings nicht automatisch besser. Wird die Öffnung extrem klein, kann die Beugung des Lichts ebenfalls zu Unschärfe führen. Die optimale Lochgröße ist deshalb immer ein Kompromiss zwischen Lichtmenge und Bildschärfe.
Was ist der Unterschied zwischen Camera Obscura und Lochkamera?
Die Begriffe Camera Obscura und Lochkamera werden heute häufig synonym verwendet. Genau genommen beschreiben sie aber nicht immer dasselbe.
Eine klassische Camera Obscura erzeugt zunächst eine Projektion. Das Bild kann auf einer Wand oder einer anderen Fläche betrachtet werden, wird aber nicht automatisch gespeichert.
Eine fotografische Lochkamera verwendet dasselbe optische Prinzip und ergänzt es um ein lichtempfindliches Material. Dabei kann es sich beispielsweise um Film oder Fotopapier handeln. Auf diese Weise kann aus der Projektion eine Fotografie entstehen.
Vereinfacht kann man deshalb sagen:
Die Camera Obscura beschreibt das optische Grundprinzip. Die fotografische Lochkamera nutzt dieses Prinzip, um ein Bild festzuhalten.
Historische Camerae Obscurae mussten außerdem nicht ausschließlich mit einem einfachen Loch arbeiten. Spätere Modelle wurden teilweise mit Linsen oder Spiegeln ausgestattet, um die Projektion heller oder einfacher nutzbar zu machen.
Wer hat die Camera Obscura erfunden?
Die Camera Obscura wurde nicht von einer einzigen Person zu einem bestimmten Zeitpunkt erfunden. Das zugrunde liegende optische Phänomen wurde über viele Jahrhunderte hinweg beobachtet, beschrieben und weiterentwickelt.
Bereits in der Antike beschäftigten sich Gelehrte mit ähnlichen Lichtphänomenen. Einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Optik leistete später der Wissenschaftler Ibn al-Haytham, der sich intensiv mit Licht, Sehen und der Ausbreitung von Lichtstrahlen beschäftigte.
Auch Leonardo da Vinci beschrieb die Camera Obscura und verglich ihre Funktionsweise mit dem menschlichen Auge.
Über die folgenden Jahrhunderte wurde aus der dunklen Kammer ein immer kompakteres optisches Instrument.
Wenn du mehr über diese Entwicklung erfahren möchtest, findest du die Geschichte ausführlicher in unserem Beitrag über die Camera Obscura und ihre Geschichte.
Wofür wurde die Camera Obscura verwendet?
Lange bevor Fotografien dauerhaft gespeichert werden konnten, wurde die Camera Obscura bereits in Wissenschaft, Astronomie und Kunst eingesetzt.
Künstler konnten die Projektion beispielsweise als Hilfe für Perspektive und Proportionen verwenden. Landschaften, Gebäude und andere Motive ließen sich auf eine Fläche projizieren und anschließend genauer untersuchen oder zeichnerisch übertragen.
Auch für wissenschaftliche Beobachtungen war das Prinzip interessant.
Die Camera Obscura war damit gewissermaßen eine Kamera, bevor es die Fotografie gab. Sie konnte bereits ein optisches Bild erzeugen. Die entscheidende Herausforderung bestand nur noch darin, dieses Bild dauerhaft festzuhalten.
Wie wurde aus der Camera Obscura eine fotografische Kamera?
Der entscheidende Schritt zur Fotografie bestand nicht darin, ein Bild zu erzeugen. Das war mit einer Camera Obscura bereits möglich. Die Herausforderung bestand darin, die Projektion dauerhaft zu speichern.
Im frühen 19. Jahrhundert experimentierte Joseph Nicéphore Niépce mit lichtempfindlichen Materialien innerhalb einer Camera Obscura. 1816 gelang es ihm, fotografische Negative zu erzeugen. Diese frühen Bilder konnten jedoch noch nicht dauerhaft fixiert werden.

Einige Jahre später entwickelte Niépce sein Verfahren weiter. 1826 oder 1827 entstand schließlich die heute älteste erhaltene Fotografie, die mit einer Kamera aufgenommen wurde: View from the Window at Le Gras.
Damit wurde aus der vergänglichen Projektion der Camera Obscura ein dauerhaftes fotografisches Bild.
Was hat eine moderne Kamera mit der Camera Obscura gemeinsam?
Zwischen einer einfachen Camera Obscura und einer modernen Digitalkamera liegen Jahrhunderte technischer Entwicklung. Das Grundprinzip ist jedoch verwandt.
Auch in einer modernen Kamera wird Licht kontrolliert in einen abgedunkelten Innenraum geleitet. Ein Objektiv bündelt die Lichtstrahlen und projiziert das Bild auf Film oder einen digitalen Sensor.
Die Camera Obscura zeigt diesen Vorgang in seiner einfachsten Form.
Gerade deshalb ist sie bis heute eine der anschaulichsten Möglichkeiten, um Fotografie zu verstehen. Ein Bild beginnt nicht erst im Smartphone, auf einem Display oder in einem Computer. Es beginnt mit Licht.
Kann man mit einer Camera Obscura fotografieren?
Ja. Sobald sich in der Camera Obscura lichtempfindliches Material befindet, kann die Projektion fotografisch festgehalten werden.
Genau dieses Prinzip verwenden wir bei The 7th Day.
In unseren Lochkameras befindet sich Schwarzweiß-Fotopapier. Sobald die kleine Öffnung freigegeben wird, beginnt die Belichtung. Licht fällt über Tage, Wochen oder sogar Monate hinweg auf dasselbe Stück Fotopapier.
Dadurch entsteht keine klassische Momentaufnahme. Stattdessen sammelt die Kamera Licht über einen langen Zeitraum.
Unbewegliche Gebäude und Landschaften bleiben sichtbar. Menschen, Autos und andere bewegliche Objekte können dagegen verschwimmen oder teilweise ganz aus dem Bild verschwinden. Besonders auffällig sind häufig die täglichen Bahnen der Sonne, die als Lichtspuren auf dem Fotopapier sichtbar werden.
Eine einzige Aufnahme kann dadurch nicht nur einen Ort zeigen, sondern auch das Verstreichen von Zeit.
Warum brauchen Lochkameras lange Belichtungszeiten?
Durch die sehr kleine Öffnung fällt nur wenig Licht in eine Lochkamera. Deshalb sind längere Belichtungszeiten notwendig als bei vielen Kameras mit Objektiv.
Bei The 7th Day nutzen wir diese Eigenschaft bewusst. Unsere Kameras bleiben mindestens mehrere Tage an einem Ort und können auch über Wochen, Monate oder sogar wesentlich länger belichten.
Während dieser Zeit verändert sich die Umgebung kontinuierlich. Die Sonne bewegt sich über den Himmel, Menschen kommen und gehen, das Wetter wechselt und das Licht verändert sich.
Das fertige Bild verdichtet diese Veränderungen in einer einzigen Fotografie.
Camera Obscura selbst ausprobieren
Das grundlegende Prinzip einer Camera Obscura kannst du bereits mit einem lichtdichten Karton und einer kleinen Öffnung ausprobieren.
Wenn du nicht nur eine Projektion sehen, sondern ein eigenes Foto aufnehmen möchtest, benötigst du zusätzlich lichtempfindliches Material.
In unserer Lochkamera Anleitung erklären wir ausführlicher, wie unsere fotografische Camera Obscura funktioniert, wie du sie ausrichtest und wie die Belichtung abläuft.
Du kannst außerdem direkt am Kunstprojekt The 7th Day teilnehmen. Unsere Lochkameras sind bereits mit lichtempfindlichem Fotopapier geladen. Du platzierst deine Kamera an einem Ort deiner Wahl, lässt sie belichten und sendest das Fotopapier anschließend an uns zurück.
Wir digitalisieren das entstandene Negativ und machen daraus dein fertiges Bild.
Hier findest du das Lochkamera Teilnahmeset.


Ist die Camera Obscura heute noch relevant?
Technisch benötigen wir heute keine Camera Obscura mehr, um Fotografien aufzunehmen. Trotzdem ist das Prinzip bis heute relevant.
Im Unterricht macht eine Camera Obscura grundlegende Zusammenhänge der Optik sichtbar. In Museen können große begehbare Camerae Obscurae den Effekt direkt erlebbar machen. In der zeitgenössischen Kunst ermöglicht die Lochkamera wiederum eine ganz andere Auseinandersetzung mit Licht und Zeit.
Gerade in einer Zeit, in der innerhalb weniger Sekunden hunderte digitale Bilder entstehen können, ist die Langsamkeit einer Camera Obscura besonders interessant.
Bei The 7th Day haben bereits mehr als 13.000 Menschen mit diesem einfachen Prinzip gearbeitet. Jedes Bild basiert auf derselben Technik und zeigt trotzdem einen anderen Ort, einen anderen Zeitraum und andere Lichtverhältnisse.
Häufige Fragen zur Camera Obscura
Was ist eine Camera Obscura einfach erklärt?
Eine Camera Obscura ist ein dunkler Raum oder lichtdichter Kasten mit einer kleinen Öffnung. Durch dieses Loch fällt Licht und erzeugt auf der gegenüberliegenden Fläche ein auf dem Kopf stehendes und seitenverkehrtes Bild der Außenwelt.
Was bedeutet Camera Obscura auf Deutsch?
Camera Obscura stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „dunkle Kammer“.
Warum steht das Bild der Camera Obscura auf dem Kopf?
Die Lichtstrahlen kreuzen sich an der kleinen Öffnung. Licht von oben gelangt dadurch auf den unteren Teil der Projektionsfläche und Licht von unten nach oben. Gleichzeitig werden links und rechts vertauscht.
Ist eine Camera Obscura dasselbe wie eine Lochkamera?
Beide beruhen auf demselben optischen Prinzip. Eine klassische Camera Obscura erzeugt zunächst eine Projektion. Eine fotografische Lochkamera hält diese Projektion zusätzlich auf lichtempfindlichem Material fest.
Wer hat die Camera Obscura erfunden?
Es gibt keinen einzelnen Erfinder. Das optische Prinzip war bereits in der Antike bekannt und wurde über viele Jahrhunderte von Wissenschaftlern und Künstlern untersucht und weiterentwickelt.
Kann man mit einer Camera Obscura echte Fotos machen?
Ja. Wird lichtempfindliches Material wie Film oder Fotopapier in der Camera Obscura platziert, kann die Projektion fotografisch aufgezeichnet werden.
Fazit: Die Camera Obscura zeigt den Ursprung der Fotografie
Die Camera Obscura zeigt Fotografie in ihrer einfachsten Form. Ein dunkler Raum, eine kleine Öffnung und Licht reichen aus, um ein Bild entstehen zu lassen.
Aus diesem Prinzip entwickelten sich über Jahrhunderte fotografische Lochkameras, analoge Fotoapparate und schließlich moderne Digitalkameras.
Trotzdem kann uns die Camera Obscura auch heute noch etwas zeigen, das moderne Kameras häufig verbergen: den grundlegenden Moment, in dem Licht zu einem Bild wird.

